Kurzfilmfestival Köln / KFFK N°10 2016

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28 Filme sind für den Deutschen Wettbewerb ausgewählt, darunter 18 freie Produktionen, die die Lust am kurzen Format auch außerhalb der Hochschule widerspiegeln. Lust?

Gute drei Millionen Euro Filmförderung fließen jährlich in die Kurzfilmproduktion, das klingt zunächst einmal gut. Verglichen mit dem Etat, der für die gesamte Filmförderung bereit steht ist das jedoch ein verschwindend geringer Teil des Gesamtpakets. 15.000 Euro fließen im Schnitt in jeden der rund 150 Filme, die jedes Jahr Förderung erhalten. Auf die Minute gerechnet bedeutet das in etwa Hälfte des Budgets eines abendfüllenden Spielfilms. Dabei entsteht der Kurzfilm nicht unter anderem technischen, personellen und gestalterischen Aufwand. Stellt man einem erfolgreichen Langfilm-Debütanten die Frage, ob er daran denkt, nochmal einen Kurzfilm produzieren zu wollen, erhält man daher auch mal die Antwort: »Durchgebettelt hab ich mich genug«.

Zurück zur Lust also. Einen Kurzfilm zu produzieren, hat nichts mit wirtschaftlichen Interessen zu tun, nur in den allerseltensten Fällen refinanziert er seine Produktionskosten inklusive aller Eigenleistungen. Für Studierende heißt Kurzfilm, seine Visitenkarte zu designen. Kurzfilm ist das Ausprobieren seiner Möglichkeiten im Studium, und wenn man diese kennt eben eine Lebenshaltung. Nicht der monatliche Unterhalt, sondern das dringende und unbedingte Erzählenwollen, nicht der rote Teppich (oder auch) direkte Reagieren und Gebrauchmachen seiner Unabhängigkeit sind Motor. Kurzfilm zu machen ist also die pure Lust, Lust in Reinform, einen Kurzfilm zu produzieren. Und das sehen wir in diesem Jahr 28 mal. Viel Vergnügen!

Christine Bernau

Mittwoch, 18.11.2015, 19 Uhr, Filmforum NRW
Donnerstag, 19.11.2015, 16 Uhr, Filmpalette

Is it us? Or is it them? Or is it him? You? Or is it me? Das sind einfache Fragen, die aber weitere Fragen aufwerfen. Das Ich wird in Frage gestellt, stellt sich selbst in Frage. Auch das Andere, das Fremde (the Other), wird in Frage gestellt. Im Kern geht es immer um das Gleiche: Die Lage ist geprägt von Misstrauen, es herrscht ein Gefühl von Ungleichgewicht und Unsicherheit. Wo ziehen wir die Grenze zwischen dem Ich und dem Du? Wann und wo fühlen wir uns sicher und geschützt? Wenn es Grenzen gibt? Oder dann, wenn es keine Grenzen gibt?

Was bedeutet Vertrauen und wem vertrauen wir? Unserer Familie? Freunden? Unserer Politik und unserer Kultur? Den Medien? Oder nur uns selbst und unserem eigenen Urteilsvermögen? Und wann fühlen wir uns bedroht? Wie definiert man Bedrohung? Durch die Anwesenheit von Gewalt? Bedeutet die Abwesenheit von Gewalt Frieden? Könnte eine friedliche Aktion, über die wir keine Kontrolle haben, unser Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Freiheit destabilisieren?

Sind die Orte und Räume, in denen wir leben, wirklich sicher? Und wenn wir uns sicher fühlen, sind wir dann wirklich frei? Bedeutet Freiheit das Recht auf Leben, auf Freiheit und das Streben nach Glück? Bedeutet das Recht, wählen zu können, Freiheit, Glück, Kontrolle? Wenn wir die Kontrolle verlieren, unsere Fähigkeit zu Entscheiden, sind wir nicht mehr frei? Verlieren wir dann unsere Menschenwürde?

Das Kurzfilmprogramm In us we trust thematisiert diese Fragen emotional, gesellschaftskritisch, politisch, theoretisch, essayistisch. Letzte Antworten gibt es nicht, dafür noch mehr Fragen. Das ist kein Mangel, sondern eine Stärke, die Kunst auszeichnet: Die Fähigkeit, den Diskurs zu fördern und zu fordern.

Jennifer Jones

SYMBOLIC THREATS

Mischa Leinkauf, Lutz Henke, Matthias Wermke
Deutschland 2015, 15‘, Dokumentarfilm, englisch


Poesie oder Bedrohung? Kapitulation oder vielleicht Kunst? Darüber rätselte New York im letzten Sommer. Wie können ein und demselben Ereignis so viele unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben werden? Symbolic Threats lässt anhand von Presseberichterstattung eine breite Öffentlichkeit mit ihren extrem auseinander klaffenden Interpretationen zu Wort kommen. […]

ZEUS

Pavel Vesnakov
Deutschland/Bulgarien 2015, 30‘, Spielfilm, bulgarisch mit englischen UT


Der plötzliche Tod seines Vaters macht Zeus zum Familienoberhaupt und zwingt ihn, eine angemessene Beerdigung für seinen Vater zu organisieren. Er beschließt seinen älteren Halbbruder Vassil zu kontaktieren, der die Familie vor Jahren auf Grund eines Streits mit dem Vater verlassen hat. […]

HALIT-STRASSE, KASSEL, HESSEN, DEUTSCHLAND

Fritz Laszlo Weber
Deutschland 2014, 16‘30‘‘, Experimentalfilm, deutsch mit englischen UT


Ausgehend vom Mord an Halit Yozgat durch den NSU geht der Film entlang der Geschichte von Fragen und Forderungen nach dem Gedenken und der Sichtbarkeit der Opfer. Halit Yozgat war Betreiber eines Internet-Cafés in der Kasseler Nordstadt […]

IN THE DISTANCE

Florian Grolig
Deutschland 2015, 7‘30‘‘, Animationsfilm, ohne Dialoge.


Hoch über den Wolken herrscht Stille und Frieden. Die Wäsche trocknet an einem Drachen, der im Wind weht. Ein Huhn sitzt auf dem Fensterbrett. Ein Mann lebt hier sein Leben. Zwar mangelt es an Luxus, aber dafür hat man seine Ruhe. […]

FREEDOM & INDEPENDENCE

Bjørn Melhus
Deutschland 2014, 15‘, Experimentalfilm, englisch


Der experimentelle Kurzfilm Freedom & Independence setzt sich mit dem globalen, ideologischen Paradigmenwechsel zu einem religiös geprägten Kapitalismus auseinander, indem er Zitate der Schriftstellerin und selbsternannten Philosophin des Objektivismus Ayn Rand mit evangelikalen Inhalten des US-Amerikanischen Mainstream-Kinos konfrontiert. […]

Donnerstag, 19.11.2015, 19 Uhr, Filmforum NRW
Freitag, 20.11.2015, 16 Uhr, Filmpalette

Besondere Menschen, einzigartige Situationen und faszinierende Orte sind der Sinn des Lebens, das ist amtlich. Diese Filmauswahl bringt uns dorthin, indem sie inhaltlich und vor allem formal ungewöhnliche Wege bewandert. Quer durch völlig verschiedene Quellformate und Prozesse der Inszenierung folgen wir dem Programm zu Momenten, die weit über die Situation hinaus das Leben der Protagonisten bestimmen.

In vielen Religionen werden Tiere verehrt. So auch im Internet, wo die Gemeinschaft teilhaben darf an Höchstleistungen der Zivilisation. Für alle die Katzenvideos lieben oder hassen legt die Künstergruppe Neozoon mit My BBY 8L3W die Zurschaustellung vermeintlicher Hingabe offen. Ihre Found Footage Montagekunst findet sich nun schon das dritte Jahr im Festivalprogramm.

Angenehm ver-rückt aus gesellschaftlicher und visueller Norm, findet eine Anstaltsinsassin in Teenland die Freundin, die ihr hilft, ihre Grenzen zu überwinden. Was ist eigentlich verrückt? Auf beglückende Weise zerhackt und verschachtelt erfasst Susanne Steinmeißl die Noise-Klänge des Soundund Videokünstlers An Ton Kaun, der mit den Gruppen The Notwist und Console bekannt wurde. So verweilt diese dokumentarischen Beobachtung nicht unbeteiligt am Rande des Geschehens, sondern verstrickt sich wild entschlossen mit dem Werk des Musikers.

In expressionistisch anmutendem Stil zeichnet Däwit in der Kindheit erfahrene Wunden nach. Narration trifft auf Assoziation, wenn Däwit, ein von seinem Vater misshandelter Junge, von einer Wolfsfamilie aufgenommen wird. Der Clou des Uhus ist die Strategie des Nestbaus. Ein schmunzelnder, lapidar erzählter Reisebericht von einem „Beinahe-Paar“ und einem beinahe geliehenen Opel Manta mit Vinyldach.

Mit Desert Miracles gehen Miriam Gossing und Lina Sieckmann weiter ihren Weg des strukturellen Erzählens. Mit inniger Geduld finden sie dieses Mal in amerikanischen Hochzeitskapellen die Geschichte vom Glücklichwerden – erneut in visuell beeindruckender Kulisse.

Eckhard Plöttner

MY BBY 8L3W

Neozoon
Deutschland 2014, 3’, Experimentalfilm, englisch


Das Akronym im Titel - Eight Letters Three Words, kurz 8L3W - steht für I Love You und diese Liebe gilt in der neuen Videoarbeit des Künsterkollektivs Neozoon grundsätzlich nur Haustieren. […]

TEENLAND

Marie Grathø Sørensen
Dänemark/Deutschland 2014, 30’, Spielfilm, dänisch mit englischen UT


Sally ist siebzehn Jahre alt und eingesperrt in einer gefängnisartigen Institution, die den Namen Teenland trägt und emotional gestörte Teenager beherbergt, die in ihrem Wahn übernatürliche Kräfte entwickelt haben. […]

AN TON KAUN

Susanne Steinmassl
Deutschland 2014, 9’30’’, Dokumentarfilm/Experimentalfilm, deutsch mit englischen UT


Zwischen Krach und Harmonie liegen Welten, wie zwischen Wald und Kabelsalat, könnte man meinen. Anton Kaun arbeitet mitten in dieser vermeintlichen Kluft und schlägt dort musikalische Brücken, die nicht immer klar zu umreissen sind. […]

DÄWIT

David Jansen
Deutschland 2015, 15’, Animationsfilm, ohne Dialoge


Ein Wolfskind, eine Katze, ein Engel. Däwit wird als Kind von seiner Mutter wegen der Gewalt des Vaters ausgesetzt und wächst weit ab von ihr unter Wölfen auf. In tiefer Trauer, die er nicht loszulassen vermag, begibt er sich auf eine rätselhafte Reise voller Entbehrungen. […]

DER CLOU DES UHUS

Roman Israel
Deutschland 2014, 9’30’’, Spielfilm/Found Footage, deutsch mit englischen UT


Wir befinden uns im Jahr Feuer-Drache. Klemmi und Maja touren mit einem Opel Manta durch Skandinavien, teuer soll er gewesen sein. Klemmi bekennt sich zur RAF und hat Angst vor Majas Vater, der ein bekannter Staatsanwalt ist und ihnen den Wagen »geliehen« hat. […]

DESERT MIRACLES

Lina Sieckmann & Miriam Gossing
Deutschland/USA 2015, 12‘, Experimentalfilm, englisch


Wie Mahnmale wirken die leerstehenden Kapellen in Nevada, die filmisch von innen erkundet werden. Diese Räume der kommerzialisierten Romantik dienen üblicherweise der bechleunigten Eheschließung und es stellt sich die Frage, was die exzessive Szenerie für die kulturelle Organisation von Liebe bedeutet. […]

Freitag, 20.11.2015, 19 Uhr, Filmforum NRW
Samstag, 21.11.2015, 16 Uhr, Filmpalette

Laut und Leise, hell und dunkel wechseln sich rhythmisch ab im Spiel mit der Wahrnehmung. Zuweilen flickert, brummt, klirrt und rauscht es. Die Verwendung akustischer und optischer Elemente zur Produktion von synästhetischen Ereignissen hat ihren Reiz nicht verloren – ja, scheint manchmal besonders im abstrakten Bereich nach digitalen, selbst programmierten Bild- und Soundquellen zu verlangen. Wagt Euch an den Abgrund heran, liefert Euch dem Geschehen auf der Leinwand aus, lasst Euch mitreißen von Schall und Rausch!

Der beste Weg von Angelika Herta zeigt, was sichtbar wird, wenn kein Bild zu sehen ist. Ausgangspunkt sind Antworten blinder Menschen auf die Frage »Was nervt Blinde an der Welt der Sehenden«. Ganz anders aber ähnlich überraschend und erhellend ist Moon Blink von Rainer Kohlberger, ein minimalistisches Video, das ausschließlich aus einem Code generiert wird. In der Unschärfe der Bilder wird eine neue Qualität von Wahrnehmung ermöglicht: Farberscheinungen, Energiefelder, Licht- und Tonrauschen. Graphische Visualität und Akustik überbieten sich. Boulevards End von Nora Fingscheidt gibt mit ruhigen, genau kadrierten Einstellungen Einblick in einen ganz eigenen Kosmos. Auf dem Venice Pier an der US-amerikanischen Westküste, wo der Sunset Boulevard auf den Pazifik stößt, begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen. In Scheinkraft von Philip Widmann, geht es um die unteilbare Erfahrung beim Überwinden eines Abgrundes. Ein Mann, der am Ende eines langen Seils über den Köpfen von Hunderten von Zuschauern durch die Luft rotiert, empfindet Ekstase und Rausch. Lucky von Kirsten Carina und Ines Christine Geißer besteht aus gezeichneten Pferdebildern, die ihrer Romantik aus Kindertagen beraubt wurden. Auf die Frage »Was ist Glück?« gibt es kein Happy End: Verlust kommt nach dem Erfolg, Liebe wird mit schmerzhaftem Unverständnis beantwortet und aus Black Beauty wird Broken Beauty.

Nicole Rebmann

DER BESTE WEG

Angelika Herta
Deutschland 2014, 9‘30‘‘, Dokumentarfilm, deutsch ohne UT


Der Umgang mit behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ist oft ungelenk. Wenn Hilfe gebraucht wird, ist keiner da, dann wird Hilfe aufgedrängt, wo keine nötig ist, Dankbarkeit erwartet, wo überheblich gehandelt wurde. […]

MOON BLINK

Rainer Kohlberger
Österreich/Deutschland 2015, 10‘, Experimentalfilm, ohne Dialog


Der Blick flattert, so wie die schwarzen und weißen Balken, die (…) wellenförmig und vor allem unscharf werden. Rainer Kohlbergers Arbeit »zitiert« die Außenwelt des frühen Experimentalfilms. […]

I REMEMBER

Janna Ji Wonders
Deutschland/USA 2015, 30‘, Spielfilm, englisch mit deutschen UT


Die 18-jährigen Freunde Josh und Ben verbringen ihre Ferien in einer abgelegenen Hütte an der rauen Pazifikküste Nordkaliforniens. Als die mysteriöse Elena (30) das unbewohnte Haus am anderen Ende des Strandes bezieht, verlieben sich beide Jungs in sie. […]

BOULEVARDS END

Nora Fingscheidt
Deutschland 2014, 15‘, Dokumentarfilm, englisch und deutsch mit englischen UT


Los Angeles, Venice Beach. Am Ende des Washington Boulevards beginnt der Venice Pier - ein bizarrer Ort der Ruhe. Fernab des hektischen Lebens bietet der wuchtige Betonpier Erholung. Wir beobachten seine vielfältigen Besucher, zwei von ihnen nehmen uns mit auf eine persönliche Reise in die Vergangenheit. […]

SCHEINKRAFT

Philip Widmann
Deutschland 2015, 15‘, experimenteller Dokumentarfilm, bengalisch und englisch


An einem langen Seil rotiert ein Mann über den Köpfen der Zuschauern durch die Luft. Die physikalischen und andere Kräfte, die dabei auf ihn einwirken, sind der Gegenstand von Philip Widmanns Film, der zugleich Dokumentation und Demonstration eines Theorems ist. […]

LUCKY

Kirsten Carina Geißer & Ines Christine Geißer
Deutschland 2015, 11‘, Animationsfilm, ohne Dialoge


»Im Zentrum steht die Suche nach dem Glück. Da ist Scheitern im Spiel und Sehnsucht und ein Geruch aus Kindertagen, der seiner Romantik beraubt wurde. Auch liegt der Gedanke nahe, dass es eventuell gar nicht um Pferde geht.« […]

Freitag, 20.11.2015, 21.30 Uhr, Filmforum NRW
Samstag, 21.11.2015, 21.30 Uhr, Filmpalette

»If you want to make a documentary you should automatically go to the fiction, and if you want to nourish your fiction you have to come back to reality.«
Jean-Luc Godard

Filme zwischen Fiktion und Dokument sind keine verlässlichen Parameter von Wirklichkeit in einer ebenso unzuverlässigen Welt. Sie konterkarieren unser großes Verlangen nach »wahren« Bildern vor allem dann, wenn es um das Metaphysische geht und halten uns einen ironischen Spiegel vor. Momente alltäglichen Lebens werden mit ganz anderen Mitteln erfahrbar gemacht. Welcome to the New Age! Das Künstlerpaar Sylvia Winkler und Stephan Köperl erzeugen in Smart Songdo Song mit rhythmischem Summen und Bob-Dylan-artiger Anklage eine Spannung, die bis zum Schluss gehalten wird. New Songdo City ist eine künstliche Planstadt und neu entstehende Sonderwirtschaftszone in Südkorea. Was ist Fake und was ist Realität? Wo fängt die Inszenierung an, und wo hört die Wahrheit auf? Räschen von Peter Hecker bildet einen Ort ab, der keiner ist, und hat einen Protagonisten, der nur in Erzählungen vorkommt. Something about silence von Patrick Buhr will dazu anleiten, mit Hypnose das Unterbewusste anzusprechen und lädt ein, sich in einen entspannten Wachzustand zu versetzen, der sich auf bestimmte Inhalte ausrichtet. Dieses gelingt jedoch nicht. Automatisch scannen wir Bilder nach ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt ab. Der Wunsch, einen Wahrheitsbeweis mittels Aufnahmen zu erhalten, die anscheinend aus Überwachungskameras stammen, ist groß. Metatron von Michael Schwarz spielt auf bizarre Weise mit den Herleitungen von Authentizität für ein übernatürliches Phänomen. Nicht von dieser Welt sind die Wesen, die in Alienation von Laura Lehmus die Realität von Jugendlichen illustrieren. Jochen Kuhn blickt in Immer müder liebevoll resignierend auf das immerzu fordernde Leistungsprinzip unserer Zeit. Gemalte Ideen, verwischt und überblendet, aus denen ständig etwas Neues entsteht. Surreal, träumerisch und unermüdlich gut.

Nicole Rebmann

SMART SONGDO SONG

Sylvia Winkler, Stephan Köperl
Deutschland/Südkorea 2014, 6‘, Experimentalfilm/Musikvideo, englisch mit englischen UT


Auf privatisiertem Land erbaut, von einem einzigen Unternehmen verwaltet, von multinationalen Investoren finanziert: Die Orte, an denen wir leben, werden zu handelbaren Produkten, die den Prämissen der Märkte unterliegen. […]

RÄSCHEN

Peter Hecker
Deutschland 2014, 22‘, Dokumentarfilm, deutsch mit englischen UT


Im Zustand der Entscheidungsfindung, die Heimat zu verlassen, weil sie erkennen, dass sie ihnen nichts zu bieten hat, porträtiert Peter Hecker fünf Jugendliche, die, wenn sie ihr Leben beschreiben, das Wort »langweilig« nicht müde werden zu benutzen. […]

SOMETHING ABOUT SILENCE

Patrick Buhr
Deutschland 2015, 13‘, Experimentalfilm, englisch ohne UT


Tief einatmen, und wieder aus. Beobachten Sie manchmal Tauben? Dann gehören Sie zu den Langweilern dieser Welt. Oder beobachten Sie keine Tauben, fürchten aber dennoch, langweilig zu sein? Das wiederum wäre ganz normal. In beiden Fällen verspricht dieses Video Abhilfe. […]

METATRON

Michael Schwarz
Deutschland 2014, 4‘30‘‘, Experimentalfilm, deutsch ohne UT


Metatron ist ein FoundFootage-Arbeit zum Thema »Engelsbeweis«. Michael Schwarz‘ Material ist ein Video, das sich im Internet über einen längeren Zeitraum als Nachweis für die Existenz von (Schutz)engeln verbreitet hat und von Youtube-Nutzern mittels Zeitlupen und Stills auf seine Authentizität hin untersucht wurde. […]

ALIENATION

Laura Lehmus
Deutschland 2014, 6‘30‘‘, Animationsfilm, deutsch mit englischen UT


Nicht ganz von dieser Welt zu sein, ist das vereinende Gefühl in einem Alter, in dem die Pickel sprießen, Körper mutieren und die Stimme krächzt, ohne dass man darauf irgendwie bedeutenden Einfluss ausüben könnte. Ständig wird von einem erwartet, was man nicht versteht, man denkt, man sei hässlich, abstoßend und fremd. Wie ein Alien eben. […]

IMMER MÜDER

Jochen Kuhn
Deutschland 2014, 6‘30‘‘, Animationsfilm, deutsch mit englischen UT


»Wieso bin ich nur immer so müde?« – Dieser Frage geht Jochen Kuhn in seinem neuesten Film besorgt nach. Er scheint kerngesund zu sein, so bestätigt zumindest sein Arzt, aber immer dann, wenn das Leben ihn fordert - in Besprechungen, Meetings oder Vorträge, schläft er ein. […]

Samstag, 21.11.2015, 21.30 Uhr, Filmforum NRW
Sonntag, 22.11.2015, 16 Uhr, Filmpalette

Die ersten 100 Jahre im Leben eines Menschen sind die schwierigsten, sagt ein Sprichwort. Große, dramatische Prozesse erwachsen aus den kleinen alltäglichen Situationen und formen das, was wir Bedeutung nennen. Die Filme des Programms fangen dieses Gefühl des Wachsens und Findens auf ganz verschiedene Art und mit unterschiedlicher Nähe ein. Die Facetten reichen von befreiender Sorglosigkeit des Momentes bis zur erschütternden Wahrscheinlichkeit des Ewigen.
Eine Gruppe Jugendlicher feiert sich selbst genügend in einer Hütte, abgedreht und in ihrer ganz eigenen Zeit. Mit faszinierender Leichtigkeit erzählt der dritte Film von Paul Spengemann, Student von Wim Wenders und Angela Schanelec, vom Jungsein und lädt in ästhetisch schwebenden Bildern ein, darüber zu Philosophieren. Ein bisschen Normalität wünscht sich eine Mutter im Kampf mit sich selbst. Im krassen Wechsel zwischen Kontrollverlust und Verantwortung scheint die einzige Konstante ihr unschuldiges Kind zu sein. Die Gemeinschaftsarbeit von Thomas Toth und Michael Schaff bleibt dicht an ihrer Protagonistin und zieht den Zuschauer auf hypnotische Weise mit in die bange Hoffnung.
Unwanted Desires ist ein Animationsfilm im lässigen Stil. Episodenhafte Beobachtungen des Alltags erlangen durch pointierten Rhythmus eine erfrischende Komik. Brüche im schnellen Fluss lassen weitere Bilder im Kopf des Zuschauers entstehen. Alles wird gut, Patrick Vollraths bronzener Studenten-Oscar-Gewinner, scheint zunächst Alltagsbanalität zu erzählen und verdichtet sich dann zu einer nervenaufreibenden Reise. In zunehmend beklemmeder Stille der Beobachtung entwickelt sich schleichend der Konflikt einer übermächtigen Liebe. Mit Dissonance gelingt Kurzfilmveteran Till Nowak eine ungewöhnliche Mischung aus Animation und Realfilm. Das zerrissene Ich eines Vaters und begnadetem Pianisten, verwebt sich mit seiner Wahrnehmung, Realität und Phantasie gehen ineinander über, eine Odyssee durch Zeit und Raum beginnt.

PHILOSOPHIEREN

Paul Spengemann
Deutschland 2015, 14‘30‘‘, Dokumentarfilm, deutsch mit englischen UT


In der Zerrissenheit zwischen Erwachsenwerden und Jugendlichsein durchlebt eine Gruppe von 16- bis 18-jährigen Freunden ein Wochenende im Ferienhaus der Eltern. Ein Film, der im Hellen beginnt, und in die Dunkelheit einer exzessiven und verstreuten Nacht übergeht, während er sechs Charaktere bei ihrem Gewinn von Erkenntnissen, sowie dem Erleben von Unverständnis und Unsicherheit begleitet. […]

EIN BISSCHEN NORMALITÄT

Thomas Toth und Michael Schaff
Deutschland 2015, 15‘, Dokumentarfilm, deutsch mit englischen UT


Julia ist 33 Jahre alt und hat den Großteil ihres Lebens in der Frankfurter Drogenszene verbracht. Die Geburt ihres Sohnes Samuel vor drei Jahren veränderte ihr Leben und gab ihr neue Hoffnung. Der Film beschreibt authentisch das Leben einer jungen Frau zwischen Drogensucht und Mutterrolle. […]

UNWANTED DESIRES

Aleksandra Szmida
Deutschland 2014, 4‘, Animationsfilm, ohne Dialoge


Unwanted Desires ist eine Sammlung von kurzen Szenen, die eins gemeinsam haben: »unangemessenes« Verhalten: Manchmal ist es gefährlich, mal widerlich, wann anders unfassbar. Oder es gehorcht nicht den sozialen Standards. Und weil manches verboten ist, liegt die Verführung nahe, eben jene Grenze des erwarteten, sicheren, akzeptierten Verhaltens zu überschreiten. […]

ALLES WIRD GUT

Patrick Vollrath
Deutschland/Österreich 2015, 30‘, Spielfilm, deutsch mit englischen UT


Die achtjährige Lea sieht ihren Vater nur alle zwei Wochen am Wochenende. Heute holt er sie ab. Sie springt ihm in die Arme, und freut sich ihn zu sehen. Er drückt sie fest an sich. Eigentlich ist alles wie immer. Doch nach und nach beschleicht sie das Gefühl, dass diesmal irgendwas nicht stimmt, und es beginnt eine verhängnisvolle Reise. Wird wirklich alles gut? […]

DISSONANCE

Till Nowak
Deutschland 2015, 15‘, Animationsfilm, deutsch und englisch mit englischen UT


In einer kugelförmigen Stadt, weit über der restlichen Welt, lebt ein einsamer Pianist mit seinem gnomenhaften Diener. Als eines Tages die harte Realität über seine Fantasiewelt hereinbricht, beginnt für den verwirrten, alten Straßenmusikanten eine wahnwitzige Odyssee zwischen Psychose und Wirklichkeit. […]