Kurzfilmfestival Köln / KFFK N°10 2016

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Mittwoch, 18.11., 19.30 Uhr, Alte Feuerwache

Die Welt bewegt uns und wir bewegen uns in der Welt, entgegen oder gerade wegen der Strukturen, die uns forttreiben, festhalten oder abschotten. Einige Bürger sind ganz schrecklich besorgt, die Überfremdung stehe vor der Tür und das Medienkarussell dreht sich, als würde es abheben wollen, meist um die eigene Achse. Migration, Flucht, Völkerwanderung? Kaum eine Debatte unserer Zeit wird kontroverser und breitspuriger geführt als diese – was am Aufbrechen ist ein Verbrechen? Wer darf wie darüber sprechen, ohne sich dabei einen abzubrechen? Mutti weiß, »wir« schaffen das, ob »die« es schaffen weiß kein Mensch.

Unser Programmbeitrag zum Fokus Aufbruch ist ein thematisch gerahmter Ausschnitt des zeitgenössischen Kurzfilms, der gegenwärtige Diskurse und Wirklichkeiten aufgenommen oder abgelegt hat und davon erzählt - von der Grenze, von den Hürden. Taugt der Kurzfilm, um die Schatten unserer Gegenwart zu beschreiben? Führt er auch Debatte oder lässt er sich von der Debatte führen?

Bezeichnend blind werden in Over die symbolhaften Sirenen ausgeknipst, selbst wenn oder gerade weil sie im eigenen Vorgarten läuten, während Aïssa der subtilen Gewalt banaler Bürokratie und medizinischer Nüchternheit wehrlos ausgeliefert ist. In Shipwreck entfalten sich Erinnerungen flüsternd, unter donnernden Bildern und Klängen aus dem anrüchigsten Hafen Europas. Der letztjährige Gewinner des Wettbewerbs Nacht, Grenze, Morgen setzt auf Nähe, um den Antagonismus von Opfer und Täter als Scheinriesen zu enttarnen, während Ricsi angesichts der bevorstehenden Haft erneut erfährt, wie gefangen in Armut und Perspektivlosigkeit er in seinem vermeintlich sicheren Herkunftsland eigentlich schon immer war. Sie alle lassen ihren Blick an den wunden Stellen nicht einfach vorbei schweifen, sich von Vereinfachungen nicht blenden. Sie entsagen sich normativer Plattitüden und treffen dabei verschiedene Töne, die lange nachklingen werden.

Max Richter

OVER

Jörn Threlfall
England 2015, 14’, Spielfilm, Englisch ohne UT


Ein ruhiges, sauberes Vorstadtviertel. Reihenhäuser, gepfl egte Vorgärten, frisch geputzte Neuwagen. Polizeiliche Absperrung und Spurensicherung brechen die Illusion der heilen Welt und verwandeln sie in einen Tatort. Vieles deutet auf ein Verbrechen hin, aber was genau ist hier vorgefallen? […]

NACHT GRENZE MORGEN

Tuna Kaptan, Felicitas Sonvilla
Deutschland/Türkei 2013, 30‘, Dokumentarfilm, arabisch, farsi und türkisch mit englischen UT


Naser ist Palästinenser, Ali ist Syrer. Beide leben in der türkischen Grenzstadt Edirne und helfen Flüchtlingen, die Grenze zu Griechenland zu überqueren: Sie schleusen Flüchtlinge auf europäischen Boden. […]

SHIPWRECK

Morgan Knibbe
Niederlande 2014, 15‘, Dokumentarfilm, italienisch mit englischen UT


Am dritten Oktober 2013 sinkt ein Boot kurz vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa - auf ihm 500 eritreischen Flüchtlingen. Mehr als 360 von ihnen ertrinken. Abraham, einer der Überlebenden, läuft taumelnd durch Schiffwrackteile, die sich am Strand angesammelt haben und erinnert sich flüsterndund zugleich sehr lebhaft an die albtraumhaften Erlebnisse dieser Nacht. […]

AÏSSA

Clément Tréhin-Lalanne
Frankreich 2014, 8‘, Spielfilm, französisch mit englischen UT


Aïssa kommt aus dem Kongo, lebt illegal in Frankreich und hat keinen Pass. Gegenüber der Polizei sagt sie aus, 17 Jahre alt zu sein. Die Polizei jedoch glaubt ihr nicht und ist der Meinung, sie sei bereits volljährig - in diesem Fall dürfte der Staat sie abschieben. Ein Arzt soll nun anhand ihrer Physis prüfen, wie alt Aïssa ist. […]

RICSI

Gábor Hörcher
Ungarn 2014, 15‘30‘‘, Spielfilm, ungarisch mit englischen UT


Ricsi, 18, ist ein Unruhestifter, er zieht Probleme an. Im ländlichen Ungarn kämpft er mit den Unruhen des Erwachsenwerdens; nun muss er ins Gefängnis. Eine Nacht bevor er gehen muss haben seine Freunde eine Abschiedsparty für ihn organisiert. Sie tanzen, trinken, feiern ausgelassen. Währenddessen ist es statt ihm seine Mutter, die für seine Reise packt. […]